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Es ist uns eine Ehre
19.02.2012 00:00 Uhr - von Sven Goldmann
Vom neuen Trainer Otto Rehhagel spricht man bei Hertha mit Respekt: „Mehr Erfahrung geht nicht“. Beim Spiel gegen Dortmund war der neue Coach allgegenwärtig und abwesend zugleich. Wie das war, beim ersten Mal mit Otto Rehhagel? Michael Preetz kramt in alten Düsseldorfer Erinnerungen, ja, da war mal was, „der Otto ist mit der Fortuna Pokalsieger geworden, da war ich schon im Verein, aber erst zwölf Jahre alt und noch nicht in der Lage ihm zu helfen“. Jetzt ist er 44 und verhilft dem 73 Jahre alten Trainerpensionär zu einem Comeback, wie es die Bundesliga lange nicht mehr erlebt hat.
Aber eigentlich ist es mehr Rehhagel, der Preetz helfen soll. Das Engagement des Altmeisters ist der mutmaßlich letzte Versuch, Hertha BSC wieder zurück auf Kurs zu bringen. Nach elf sieglosen Bundesligaspielen in Folge „wird die Luft da unten immer dünner“, sagt Herthas Antreiber Peter Niemeyer, er hat seine fußballerische Sozialisierung in Bremen erfahren, wo auch Otto Rehhagel nach Jahren des vagabundierenden Feuerwehrmanndaseins zur verlässlichen Trainergröße aufstieg. „Wir waren schon ein bisschen überrascht, den Namen hatte nun wirklich keiner auf der Liste“, gesteht Niemeyer, aber das gehe schon in Ordnung, denn „mehr Erfahrung geht nicht“. Preetz hatte die Mannschaft am Freitagabend über die überraschende Personalie informiert – „eigentlich hätten wir das lieber zurückgehalten bis nach dem Spiel gegen Dortmund, um den Spielern jede Ablenkung zu ersparen“. Aber dann flutschte der Name Rehhagel durch eines der bei Hertha traditionell großen Löcher in die Redaktion der „Bild“-Zeitung, und Preetz musste handeln. „Wir dürfen uns sehr geehrt fühlen, mit so einer Trainer-Größe zusammenzuarbeiten“, sagt Stürmer Pierre-Michel Lasogga. Verteidiger Christoph Janker glaubt fest daran, „dass er uns zurück in die Spur bringt“. Peter Niemeyer war „lange genug in Bremen, um zu wissen, was Rehhagel als Trainer bewirken kann. „Zuletzt hab’ ich ihn 2009 gesehen, da sind wir in Berlin Pokalsieger geworden, und er war als Ehrengast auf unserem Bankett. War schon beeindruckend“. Und René Tretschok, der nach der auf ein Spiel befristeten Beförderung zum Cheftrainer seinem Nachfolger gemeinsam mit Ante Covic assistieren wird, freut sich „auf jemanden, der Erfahrung hat und vorne was abfängt. Für mich ist es eine riesengroße Ehre und Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten und von ihm zu lernen.“ Otto Rehhagel ist schon unfreundlicher empfangen worden, etwa 1995 in München, wo er nach 14 erfolgreichen Bremer Jahren vom „Bild“-Kolumnisten und Bayern-Präsidenten Franz Beckenbauer der Lächerlichkeit preisgegeben wurde. München war ein Missverständnis, Berlin planen beide Seiten als Erfolgsgeschichte ein. Die Kontaktaufnahme habe sich nicht weiter schwierig gestaltet, und große Überzeugungskunst sei auch nicht nötig gewesen, sagt Michael Preetz: „Wenn man sagt, dass Otto Rehhagel sofort Feuer und Flamme war, dann trifft es das ganz gut!“
Rehhagel war gestern allgegenwärtig und abwesend zugleich. Herthas unglückliche Niederlage gegen Dortmund hat er sich daheim in Essen im Fernsehen angeschaut. Um 11.15 wird er heute in Tegel landen und dann gleich zum Trainingsgelände am Olympiastadion weiterfahren. Als Rehhagel 1963, damals noch als Spieler, sein erstes Engagement bei Hertha begann, trainierte die Mannschaft noch am Gesundbrunnen und war im Olympiastadion nur gelegentlicher Gast. Rehhagel wird sich kaum daran erinnern können, ist ja auch schon lange her, und das Langzeitgedächtnis lässt zuweilen auch jüngere Zeitgenossen im Stich. Zum Beispiel Michael Preetz, was die gemeinsame Düsseldorfer Zeit mit dem neuen Trainer betrifft. Als nämlich Fortuna Düsseldorf im Juni 1980 unter Otto Rehhagel nach einem 2:1 gegen den 1. FC Köln den DFB-Pokal gewann, stürmte der zwölfjährige Preetz laut Wikipedia noch für den Düsseldorfer SC 1899. Seine Zeit bei der Fortuna begann erst zwei Jahre später. Da werkelte Otto Rehhagel schon an seiner Karriere als ewiger Bremer.
Tagesspiegel vom 19.02.2012
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0:1! Bittere Hertha-Pleite gegen den BVB
18. Februar 2012 17.39 Uhr, sid/B.Z.
Gut gestanden, gekämpft, Chancen gehabt. Doch wieder geht die Hertha als Verlierer vom Platz. Es hat wieder nicht gereicht, trotz gutem Spiels. Die Verpflichtung von Otto Rehhagel hat die Spieler von Hertha BSC zwar beflügelt, aber die Talfahrt nicht beendet. Sechs Tage nach der Entlassung von Michael Skibbe verlor die Hertha ihr 1000. Bundesligaspiel gegen Meister Borussia Dortmund unglücklich mit 0:1 (0:0). Wieder kein Tor, wieder kein Ligasieg seit fast vier Monaten! „Beide Seiten hatten gute Torchancen. Dortmund hat das Tor erzwungen. Auch wir hatten zwei, drei Chancen. Mir tut es im Endeffekt für die Mannschaft leid, denn sie hat sehr viel investiert. Die Mannschaft hat das fantastisch gemacht. Ein Punktgewinn wäre gerecht gewesen“, sagte Hertha-Interimstrainer René Tretschok.
Den goldenen Treffer vor 74.244 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion für die weitgehend schwachen Dortmunder erzielte Nationalspieler Kevin Großkreutz per Fallrückzieher (66.). Die Westfalen bleiben damit im 16. Ligaspiel in Folge unbezwungen und nahmen erfolgreich Revanche für die 1:2-Niederlage im Hinspiel. Den ersten Paukenschlag hatte es schon vor dem Anpfiff gegeben. Hertha-Manager Michael Preetz gab die Verpflichtung von Otto Rehhagel offiziell bekannt. „Wir befinden uns in einer aktuell schwierigen Situation und sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir einen erfahrenen Trainer wie Otto Rehhagel brauchen, um unser Ziel am Ende der Saison zu erreichen“, sagte Preetz bei Sky und ergänzte: „Jeder der Otto Rehhagel kennt, weiß, dass er Fußball lebt, noch immer brennt und eine große Ausstrahlung besitzt.“ Auf dem Rasen zeigten sich die auf drei Positionen veränderten Berliner vor 74.244 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion in der Anfangsphase gut erholt vom 0:5-Debakel in Stuttgart. Die Torchancen hatten zunächst aber die Gäste, die von knapp 20.000 mitgereisten Fans unterstützt wurden. Nach einer guten Aktion auf der rechten Seite brachte der für den verletzten Shinji Kagawa ins Team gerückte Lucas Barrios freistehend per Kopf keinen Druck hinter den Ball (8.). In der 31. Minute verstolperte der erneut sträflich freigelassene Stürmer die große Chance zur Führung. Bei den Gästen machte sich das Fehlen Kagawas, der sich im Training einen Außenbandanriss im Sprunggelenk zugezogen hatte, als Anspielstation und kreativer Kopf im Mittelfeld bemerkbar.
Immer wieder versuchten es die Dortmunder mit weiten Bällen. Die erste Berliner Chance leitete ausgerechnet der schwache Nationalspieler Mats Hummels ein, der im eigenen Strafraum den Ball vertändelte. Keeper Roman Weidenfeller rettete gegen Raffael (36.), kurz vor dem Halbzeitpfiff tat es ihm sein Gegenüber Thomas Kraft gegen Lukasz Piszczek gleich. Der Pole blieb nach einem Zusammenprall nach der Pause in der Kabine, für ihn kam Patrick Owomoyela zu seinem 150. Bundesliga-Einsatz. Nach Wiederanpfiff verpasste Patrick Ebert gegen die ungewohnt unsichere BVB-Defensive gleich zweimal die Berliner Führung (50./54.). Tretschok wechselte in Pierre-Michel Lasogga einen zweiten Stürmer ein, doch Großkreutz sorgte für den glücklichen Dortmunder Treffer. Zuvor hatte Kraft einen Kopfball mit einem starken Reflex noch an die Latte gelenkt. „Wir hätten uns einen Punkt verdient. Das ist sehr bitter. Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Es ist unglücklich, dass Thomas Kraft nach der großartigen Parade dieses Tor schlucken musste“, so Hertha-Kapitän André Mijatovic nach dem Spiel. Ein ganz bittere Pleite der Herthaner...
BZ vom 18.02.2012
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0:5 gegen den VfB. Schämt Euch!
11. Februar 2012 17.27 Uhr, Malte Achilles
Peinliche Pleite in Stuttgart. Herthas Spieler lassen ihren Trainer Michael Skibbe im Stich. Wie tief will Hertha noch fallen? In Stuttgart der Offenbarungseid.
 Hertha lässt Trainer Michael Skibbe im Stich und erlebt ein 0:5-Desaster. Inklusive Pokal das fünfte Spiel des neuen Coachs und die fünfte Niederlage. Dabei hatte Markus Babbels Nachfolger noch versprochen, hinten sicher zu stehen und nach vorn überfallartig anzugreifen. Doch der Schuss geht voll nach hinten los. Hertha schwebt auf Rang 15 mit zwei Pünktchen Abstand zum Relegationsplatz in beängstigender Abstiegsgefahr, läuft jetzt schon seit zehn Meisterschaftsspielen einem Sieg hinterher. Und Sonntag kann sogar der Vorletzte Augsburg nach Punkten aufschließen. Das Debakel in Stuttgart. Von Hertha nach vorn nichts zu sehen und hinten total löchrig. Skibbe: „Das war in der ersten Halbzeit eine katastrophale Mannschaftsleistung.“
Der Untergang ist schnell besiegelt.
 24. Minute: Ibisevic trifft mit Seitfallzieher und gefährlich hohem Bein. 1:0 für Stuttgart! Skibbe protestiert wie wild.
28. Minute: Harnik gelingt nach Pass von Ibisevic das 2:0 für den VfB.
30. Minute: Ottl fällt mit Anlauf von hinten Hajnal. Rot! Ottl: „Es sieht schlimm aus. Aber ich wollte ihn nicht verletzten. Es tut mir leid.“
32. Minute: Nach Boulahrouz-Flanke köpft Okazaki Stuttgarts 3:0.
41. Minute: Harnik lässt Mijatovic aussteigen und vollendet zum 4:0 für Stuttgart.
58. Minute: Kobiashvili sieht tatenlos zu, wie Harnik zum dritten Mal trifft. Das 5:0 des VfB, der damit nach sieben sieglosen Spielen seinen Torhunger gestillt hat. Rot-Sünder Ottl zur erbärmlichen Vorstellung: „Die Gefahr ist da, dass die Mannschaft auseinander fällt. Es ist eine schwierige Situation. Wir müssen jetzt nach dem Motto verfahren Augen zu und durch.“ Aber für die Pleite in Stuttgart gilt nur: Schämt euch!
BZ vom 11.02.2012
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Stuttgart - Hertha 5:0
Hertha geht in Stuttgart unter
11.02.2012 17:17 Uhr von Oliver Trust
Hertha katapultiert sich in Stuttgart innerhalb von zehn Minuten noch tiefer in die Krise und geht letztlich mit 0:5 unter. Damit dürfte auch der Druck auf Michael Skibbe zunehmen, der als Herthatrainer weiter auf seinen ersten Pflichtspielsieg wartet.
 Es war noch nicht einmal Pause im Stuttgarter Stadion, da hatte Michael Skibbe die Hände schon tief in den Taschen seiner Jacke vergraben. Der Hertha-Trainer schien vor sich hin zu starren, ohne ein Ziel zu haben. Mit gesenktem Kopf trottete Skibbe wenig später in die Kabine. Zwischen den beiden Momenten war zwar kein weiteres Tor gefallen, aber mehr und mehr quälend schwere Gedanken sind sicher entstanden. Vier Gegentore hatte die Hertha kassiert - wie gesagt bis zur Pause nach 45 Minuten. Am Ende hatten die Berliner vor 45.000 Zuschauern nicht nur fünf Tore hinnehmen müssen und eine verheerende 0:5 (0:4)-Niederlage bezogen, es zeigten sich im 500. Auswärtsspiel der Klubgeschichte unübersehbare Disziplinprobleme und Zerfallserscheinungen im Berliner Team.
Warum Andreas Ottl dem Stuttgarter Tamas Hajnal in der 30. Minute bei einem 0:2 -Rückstand so plump von hinten in die Beine sprang - und das im Mittelfeld - bleibt sein Geheimnis. Es sah nach einem Foul aus, das einem tief frustrierten und ratlosen Spieler passiert, der seinen Frust nicht mehr unter Kontrolle bekommt.
 Kaum war Ottl vom Feld gegangen, kassierte die Hertha das dritte und bald danach das vierte Gegentor. Zuerst konnte sich Shinji Okazaki (32.) gegen die Berliner Verteidigung bei einem Kopfball durchsetzen und den Ball ins Tor drücken. Der Japaner ist 1,74 Meter groß und nicht als kopfballstark bekannt. Martin Harnik (41.) traf aus spitzem Winkel von rechts. Den Stuttgartern gelang alles, den Herthanern so gut wie nichts. Der VfB war zum Spielsystem mit nur einem Stürmer zurück gewechselt, was personelle Konsequenzen hatte. Nationalspieler Cacau saß zunächst nur auf der Bank und Vedad Ibisevic stürmte. Bei Hertha rückte Raffael ins Zentrum für den verletzten Lustenberger. Felix Bastians kam im linken vorderen Mittelfeld zu seinem Bundesligadebüt für Berlin. Jener Ibisevic sollte in der 24. Minute im Mittelpunkt stehen. Nach einer Freistoßflanke von Hajnal verlängerte Georg Niedermeier als Kopfballsieger gegen Herthas Innenverteidigung, hoch zu Ibisevic. Der Bosnier flog hoch in der Luft in Richtung Hertha-Tor und Thomas Kraft. Im Fünf-Meter-Raum traf Ibisevic den Ball kurz bevor Kraft aus seinem Tor kommen konnte. Die Berliner protestierten heftig, Manager Michael Preetz war ebenso beim Vierten Mann wie Trainer Skibbe. Schiedsrichter Deniz Aytekin sah kein gefährliches Spiel in Ibisevics Karatesprung. Kraft habe sich nicht aktiv in Richtung Ball bewegt ließ der Referee in der Pause mitteilen.
 Es stand also 1:0 für die Stuttgarter. Der Niedergang der Berliner nahm in atemberaubender Geschwindigkeit seinen Lauf. In der 28. Minute verstolperte Ottl den Ball im Mittelfeld, was die Stuttgarter zum 2:0 nutzten. Allzu leicht konnten sich die Schwaben durch Herthas Mitte spielen. Zwei Minuten später flog Ottl vom Platz. Nach der Pause ging es weiter bergab. In der 58. Minute produzierten Levan Kobiaschwili und Harnik den nächsten Treffer gemeinsam - einen für den VfB Stuttgart. Es stand dann 5:0. Die Partie war natürlich längst entschieden. Berlin hatte längst aufgegeben und Stuttgart feierte schon lange vor dem Schlusspfiff seinen unerwartet klaren Sieg. Die Diskussionen um Trainer Skibbe, der für den freien Fall in Richtung Abstiegszone steht, dürften nach fünf Niederlagen in Folge an Intensität zunehmen. Die willenlose Vorstellung in Stuttgart liefert Skibbe trotz seines Vertrages bis 2014 und dem leichten Aufwärtstrend, der sich zwar nicht in Ergebnissen ausdrückte, wenig Gegenargumente. Im Gegenteil. Es kam einem Offenbarungseid gleich was sich in Hälfte eins auf dem Rasen abspielte. Der nächste Gegner der Berliner heißt übrigens Borussia Dortmund. Es wird das 1000. Bundesligaspiel für die Hertha sein - und vielleicht Skibbes letztes.
Tagesspiegel vom 11.02.2012
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